Rieter-Geschäftsmodell

Weltweit werden jährlich etwa 104 Mio. Tonnen Fasern verarbeitet, zum Beispiel zu Bekleidung, technischen Textilien oder Heimtextilien. Der Faserverbrauch wächst mit der Weltbevölkerung und dem verfügbaren Einkommen, im Durchschnitt zwischen zwei und drei Prozent pro Jahr.

Kompaktspinnsystem (Beispiel)

Garnerzeugung

Der Prozess von der Faser zur Textilie beginnt mit der Faserproduktion. Aus den Fasern, beispielsweise aus Baumwolle, Leinen, Polyester oder Viskose, wird ein Garn erzeugt. Aus dem Garn wird dann über verschiedene Bearbeitungsschritte wie Weben, Stricken, Färben oder Ausrüsten eine Textilie produziert.

Garn wird auf zwei grundsätzlich unterschiedliche Arten hergestellt. Einerseits geschieht dies durch das Verspinnen von Stapelfasern. Dies sind Fasern mit einer Länge von 23 bis 60 mm (Kurzstapelfasern) bzw. über 60 mm (Langstapelfasern), andererseits durch die Verarbeitung von sogenannten Filamenten, aus denen ein Endlosgarn erzeugt wird. Die aus Filamenten entstehenden Garne haben andere Eigenschaften als die aus Stapelfasern produzierten. In der Bekleidungsindustrie überwiegt das aus Stapelfasern erzeugte Garn, denn es bietet einen angenehmen Tragekomfort.

Auf jede der beiden Garnerzeugungsarten entfallen etwa 50 Prozent des Weltfaserverbrauchs.

Rieter beschäftigt sich hauptsächlich mit der Garnerzeugung aus Stapelfasern. Die wichtigsten davon sind Baumwolle (etwa 26 Mio. Tonnen pro Jahr), Polyester (etwa 18 Mio. Tonnen pro Jahr) und Viskose (etwa 6 Mio. Tonnen pro Jahr).

Der Prozess zur Erzeugung eines Garns aus Stapelfasern besteht aus drei Abschnitten, der Faservorbereitung, der Spinnereivorbereitung und dem Endspinnen.

Im Rahmen der Faservorbereitung werden die Fasern, die in Ballen angeliefert werden, vereinzelt, soweit erforderlich gereinigt und ausgerichtet. Dies erfolgt in den Prozessstufen Putzerei/Öffnerei und Karde. In der Spinnereivorbereitung erfolgen die Homogenisierung und das Verstrecken des Faserbandes. Die dazu notwendige Maschine ist die sogenannte Strecke. Bei der Verarbeitung von Baumwolle spielt zudem die Kämmerei eine Rolle: Hier werden Kurzfasern ausgekämmt, um ein höherwertiges Garn zu erzeugen. Am Ende der Spinnereivorbereitung ist ein gleichmässiges Band bzw. Vorgarn entstanden.

Spinnverfahren

Im Rahmen des Endspinnens wird der Faserverband weiter verstreckt (bis auf rund 40 Fasern im Querschnitt bei sehr feinen Garnen) und durch Drehung zu einem Garn versponnen. Die Drehung erfolgt entweder durch eine rotierende Spindel (Ringspinnen, Kompaktspinnen), durch Rotation eines Rotors (Rotorspinnen) oder durch einen Luftstrom (Luftspinnen). Das Kompaktspinnen ist eine Variante des Ringspinnens, mit dem mittels einer Zusatzeinrichtung eine bessere Fasereinbindung und damit ein Garn mit einer höheren Garndichte erreicht wird.

Nach dem Verspinnen werden Fehlerstellen aus dem Garn entfernt. Anschliessend wird das Garn aufgespult, um es für die nachfolgenden Prozessschritte in der textilen Produktionskette zweckmässig vorzulegen.

Rieter deckt mit seinen Spinnsystemen alle vier am Markt etablierten Endspinnverfahren ab.

Messgrössen für Kapazität

Die Produktionskapazität für die Erzeugung von Garn aus Stapelfasern wird in Spindeläquivalenten gemessen. Als Basis dient die Produktionskapazität einer Ringspindel. Die Spinnposition einer Rotorspinnmaschine entspricht der Produktivität von fünf bis sechs Ringspindeln, die Spinnposition einer Luftspinnmaschine der von 20 Ringspindeln.

Insgesamt sind weltweit mehr als 250 Mio. Spindeläquivalente zur Garnproduktion aus den rund 50 Mio. Tonnen Stapelfasern im Einsatz, davon rund 103 Mio. in China, 55 Mio. in Indien, 70 Mio. in den asiatischen Ländern (ohne China, Indien und Türkei) und 12 Mio. in der Türkei. Pro Jahr werden weltweit zwischen 11 und 13 Mio. Spindeläquivalente neu installiert. Im Jahr 2019 hat Rieter 1.32 Mio. Spindeläquivalente ausgeliefert (2018: 2.15 Mio.). Darüber hinaus benötigen Spinnereien Verschleiss- und Ersatzteile für den laufenden Betrieb.

Markt

Der für Rieter relevante Weltmarkt für Stapelfasermaschinen hat ein jährliches Volumen von 3 200 bis 4 000 Mio. CHF. Rieter ist mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent Marktführer.

Geschäft mit Neumaschinen, Verschleiss- und Ersatzteilen

Das Geschäft mit Neumaschinen ist zyklisch. Die Investitionsneigung in der Spinnereiindustrie wird im Wesentlichen beeinflusst durch Erwartungen hinsichtlich Faserverbrauch und Margen, die sich mit dem Verkauf von Garnen erzielen lassen. Der Faserverbrauch ist konjunkturabhängig, die Garnmargen hängen zusammen mit der Entwicklung der Rohstoffpreise, mit der Kapazitätsauslastung und den Produktionskosten der Spinnereien, mit den Währungskursen und Regierungsprogrammen.

Das Geschäft mit Verschleiss- und Ersatzteilen ist wesentlich weniger zyklisch. Das Basisgeschäft wird getrieben von der Auslastung der Spinnereien – laufende Spinnereien benötigen Verschleiss- und Ersatzteile. Projektgeschäfte wie der Umbau oder die Modernisierung ganzer Spinnereien unterliegen dem oben beschriebenen Investitionszyklus.

Etablierter Premiumanbieter mit innovativen Produkten und Dienstleistungen

Produkt- und Serviceangebot

Rieter plant Spinnereien, entwickelt, produziert und liefert die Maschinen sowohl für Faservorbereitung, Spinnereivorbereitung und Endspinnen und betreut die installierten Maschinen über ihren Lebenszyklus.

Rieter ist weltweit mit all seinen Marken als Premiumanbieter etabliert. Die innovativen Produkte und Dienstleistungen von Rieter ermöglichen dem Spinnereiunternehmer eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. Erfolgsfaktoren sind entweder niedrige Garnherstellkosten, die über Einsparungen bei Rohmaterial, Energie, Arbeitsstunden und Abschreibungen erreicht werden, oder spezielle Garne, mit denen sich höhere Preise erzielen lassen.

Auch die Professionalität und Verfügbarkeit des Services ist ein entscheidender Aspekt, wenn Kunden sich für den Kauf von Rieter-Produkten entscheiden.

Drei Geschäftsbereiche

Der Geschäftsbereich Machines & Systems entwickelt, produziert und vertreibt Neuanlagen als Spinnereisysteme oder als Einzelmaschinen. Putzereien und Karden werden für die Faservorbereitung, Strecken, Kämmmaschinen und Flyer für die Spinnereivorbereitung, Ring-, Kompakt-, Rotor- und Luftspinnmaschinen für das Endspinnen eingesetzt. Das Angebot wird ergänzt durch Planungsleistungen und Automatisierungslösungen sowie ESSENTIAL, die Rieter Digital Spinning Suite, als digitale Plattform für die gesamte Spinnerei.

Der Geschäftsbereich Components entwickelt, produziert und vertreibt Technologiekomponenten und Präzisionsspulmaschinen für den Einsatz in der textilen Wertschöpfungskette. Technologiekomponenten kommen mit den Fasern in Berührung und beeinflussen die Garneigenschaften; sie werden in Neumaschinen eingesetzt und müssen im Betrieb regelmässig ersetzt werden. Präzisionsspulmaschinen kommen in der Garnweiterverarbeitung zum Einsatz, etwa im Färbeprozess.

Der Geschäftsbereich After Sales entwickelt, produziert und vertreibt Ersatzteile für Rieter-Maschinen sowie Upgrades, Conversions und Retrofits. After Sales verkauft auch Technologieteile, die nicht im Angebotsspektrum des Geschäftsbereichs Components enthalten sind. Zudem bietet After Sales Dienstleistungen an, mit denen die Rieter-Kunden die Effizienz und Effektivität ihrer Spinnereien verbessern.

(Source: PCI, ITMF, estimate Rieter)

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